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International Interviews

TFB-Interview mit Stefan Ulmer (Spokane Chiefs)



Er gilt nicht nur als eines der größten Nachwuchstalente im österreichischen Eishockey, sondern derzeit als größter Hoffnungsträger für die mittlerweile schon seit Jahren chronisch „unterbesetzte“ österreichische Team-Verteidigung. Der gebürtige Dornbirner Stefan Ulmer hat den Großteil seiner bisherigen Karriere im Ausland verbracht und wird wohl auch in den kommenden Jahren zu den österreichischen Legionären zählen. Wie wir bereits in der vergangenen Woche berichtet haben, kehrt er – nach 3 Jahren in Nordamerika – nach Europa zurück.

Bereits mit 16 Jahren war er mit den ZSC/GCK Lions U20-Meister in der Schweiz, mit 17 gewinnt er mit den Spokane Chiefs den Memorial Cup (der wichtigste Nachwuchstitel im Nordamerikanischen Nachwuchseishockey) und mit 18 führt er das Österreichische U20-Nationalteam zum B-WM-Titel und zur Teilnahme bei den World Juniors. Stefan Ulmer ist wohl der bisher erfolgreichste österreichische Nachwuchs-Titelhamster.

In der kommenden Saison wird er jetzt den Sprung vom Junioren-Hockey zu den Senioren wagen und aus der WHL in die Schweizer Nationalliga A wechseln. Im THEFANBLOG-Interview spricht er über seine bisherigen Erfolge, die laufende Saison und seine Erwartungen an seinen neuen Club HC Lugano. 

TFB: Hallo Stefan, Du spielst jetzt Deine dritte Saison in Spokane. Wie bist Du mit Deiner bisherigen Zeit in der WHL zufrieden und was waren hier bisher Deine persönlichen Höhepunkte?

Ulmer: Mein Höhepunkt mit den Chiefs war sicher der Gewinn des Memorial Cups 2008. Dadurch dauerte gleich meine erste Saison in Nordamerika bis Ende Mai und das ist dann schon ein ziemlich langes Eishockey-Jahr. Noch dazu wird hier viel härter gespielt und auf der kleinen Eisfläche hat man viel weniger Zeit zum agieren, das alles hat mir natürlich sehr bei meiner Weiterentwicklung geholfen.

TFB: Welche Ziele hast Du noch für die restliche Saison und wie siehst Du die Chancen der Chiefs in den Play-Offs?

Ulmer: Natürlich ist es wieder unser Ziel den Memorial Cup zu erreichen. Das wird zwar nicht leicht, aber es ist sicher machbar.

TFB: Wie siehst Du im Rückblick Deinen bzw. Euren Auftritt bei den World Juniors?

Ulmer: Mit meiner persönlichen Leistung war ich schon zufrieden, ich konnte ja 6 Punkte in 6 Spielen erzielen. Im Team hat es aber leider an der (Leistungs-)Dichte und Tiefe gefehlt, mit 3, 4 verletzten Spielern konnten wir leider nicht mehr mit den anderen Mannschaften mithalten.

Vielen hat leider die Spielpraxis und der nötige Speed gefehlt. Wenn du zu den World Juniors kommst ist das Level wirklich sehr hoch und wenn du dann in Österreich „nur“ U20 spielt, oder vielleicht in der EBEL auf der Bank sitzt, dann bist du einfach nicht „ready“ für eine A-WM.

TFB: Für die kommende Saison hast Du Dich für die Rückkehr nach Europa entschieden. Warum beendest Du jetzt Deine Nordamerika-Karriere? Was hat den Ausschlag für den Wechsel in die Schweiz gegeben?

Ulmer: Ich habe mich jetzt für Europa entschieden, weil es letztes Jahr mit dem NHL-Draft leider nichts geworden ist. Aus Europa hatte ich viele Angebote, sowohl aus Österreich, Schweden und der Schweiz. Lugano hat einfach am meisten Interesse gezeigt und mich richtiggehend umworben, da war dann die „richtige“ Entscheidung bald getroffen. Ich hab mich natürlich auch viel mit meinem Bruder (Martin Ulmer von Red Bull Salzburg, Anm. der Redaktion) und Freunden aus der EBEL unterhalten und das hat mich in meiner Entscheidung bestätigt. Mit der EBEL-Punkteregel kommt ja kaum ein Junger zum Zug, vor allem in der Verteidigung setzen die Teams auf bis zu 5 Legionäre die dann natürlich im Power Play und im Penalty Killing zum Zug kommen. Wo ist dann Platz für einen jungen Verteidiger der versucht Erfahrungen zu sammeln? Das heißt natürlich nicht, dass es in der Schweiz einfacher wird, aber ich sehe dort größere Chancen für mich.

TFB: Du hast einen mehrjährigen Vertrag beim HC Lugano unterschrieben. Wo siehst Du Deinen Platz im neuen Team bzw. weißt Du in welcher Linie mit Dir geplant wird?

Ulmer: Derzeit habe ich noch keine Ahnung wo mein Platz sein wird, aber meine Leistung wird mich dorthin bringen wo ich hin gehöre. Man hat mir nichts versprochen oder garantiert, aber das Team rechnet mit mir und alles Weitere werden wir sehen. Ich habe auch schon mit Lorenz Kienzle gesprochen und freue mich auf ein Wiedersehen.

(Kienzle ist neben Ulmer einer von vier jungen Verteidigern, die Lugano für die kommende Saison unter Vertrag hat und die wohl neben den Routiniers HelblingNummelinHirschi und Vauclair um einen Platz in der Verteidigung kämpfen werden. Gemeinsam haben Ulmer und Kienzle mit den ZSC/GCK Lions in der Saison 2006/07 die Schweizer U20-Meisterschaft gewonnen. Anm. der Redaktion)

TFB: Im Hinblick auf Lugano und auf mögliche Nationalteameinsätze, welche Erwartungen hast Du für die kommenden drei Jahre?

Ulmer: Mein Ziel ist es ganz klar mich in Lugano durchzusetzen, einen Fixplatz in der Mannschaft zu erkämpfen und mich weiterzuentwickeln. Natürlich möchte ich auch mein Land vertreten und im Nationalteam spielen, aber wie wohl jeder weiß ist es sehr schwer sich einen Platz im Team zu erkämpfen. Bevor ich mich einmal im Nationalteam sehe muss ich jetzt erst einmal gute Leistungen zeigen. Bis auf ein paar Vorbereitungsspiele mit Salzburg und die Nationalliga-B-Spiele mit 16, habe ich bisher eigentlich nur in Jugendmannschaften gespielt.

(Ulmer hat in den vergangenen beiden Sommern die Saisonvorbereitung teilweise in Salzburg absolviert. Im Vorjahr ist er auch bei den Vorbereitungsspielen der Bullen gegen den HC Mountfield České Budějovice und gegen die Kölner Haie zum Einsatz gekommen. Beim Sieg gegen die Haie konnte er sogar einen Power Play-Treffer erzielen. In seiner letzten Schweiz-Saison 2006/07 hatte Ulmer 4 Einsätze in der NLB-Mannschaft der GCK Lions. Bei allen bisherigen Senioren-Auftritten mit dabei war sein Bruder Martin, der damals bereits fixer Bestandteil der GCK-Kampfmannschaft war und mittlerweile seine dritte Saison in Salzburg spielt. Anm. der Redaktion)

TFB: Das österreichische Nationalteam kämpft bei der B-WM in Tilburg im April um den Aufstieg. Du giltst trotz Deiner mangelnden Erfahrung als aussichtsreicher Kandidat vom U20-Team zu den Senioren aufzurücken. Hattest Du diesbezüglich schon Kontakt mit Teamchef Gilligan?

Ulmer: Eine Einberufung wäre natürlich eine Ehre, aber ich glaube nicht, dass mich Herr Gilligan wirklich kennt. Ich hab bisher noch nie mit ihm gesprochen und auch vom Verband hat mich noch niemand kontaktiert. Ich denke Österreich steht sehr unter Druck gleich wieder aufzusteigen und das Team wird wohl mit den erfahrenen österreichischen und eingebürgerten Verteidigern nach Holland reisen. Mit dem Team wird man wohl sofort wieder aufsteigen. Ich hoffe, dass ich mich in den nächsten Jahren in Lugano durchsetzen werde und spätestens dann kann man auch im Nationalteam nicht mehr an mir vorbei.

THEFANBLOG wünscht Stefan Ulmer viel Erfolg für den Rest seiner Junioren-Karriere und natürlich für den Start bei den „Großen“ in der kommenden Saison. Wir werden weiter von seinen Erfolgen berichten.