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International Interviews

Interview mit Österreich-Export Patrick Divjak



Michael Grabner, Bernd Brückler, Thomas Vanek, Andreas Nödl. Sie alle entschieden sich bereits früh in ihrer Karriere, den Schritt nach Übersee zu wagen. Mit durchwegs großem Erfolg. Im Jahr 2007 tat es ihnen der gebürtige Wiener Patrick Divjak gleich.

Im THEFANBLOG.AT-Interview mit Armin Biedermann spricht der 23-Jährige unter anderem über seine Entwicklung als Spieler, den College-Alltag als Sportler und die Gründe dafür, dass trotz überzeugender Leistungen im NHL-Draft nicht gezogen wurde.

 

TFB: Über das College-Hockey in Nordamerika [Anm.: Divjak spielt in der NCAA] ist in Österreich leider recht wenig bekannt, obwohl sehr viele der Größen des Eishockeys ihre Karriere mit ihren Universitäts-Teams starten konnten. Wie kann man sich diese Liga vorstellen?

Divjak: In der höchsten Spielklasse des US-College-Hockeys, der NCAA-I, absolvieren die in fünf Divisions aufgeteilten 60 Teams 28 divisionsinterne Spiele und sechs gegen Teams der anderen Divisions. Die jeweiligen Gewinner dieser Gruppen und die 16 weiteren besten Teams der gesamten Liga ermitteln danach in Turnierform den Gewinner des NCAA-Titels.

TFB: Welchen Stellenwert hat das College-Hockey in den USA?

Divjak: Die Liga genießt hier sehr hohes Ansehen. Wie bereits erwähnt, nützen sehr viele Spieler die NCAA als Sprungbrett in die NHL. Jedes Jahr werden einige NCAA-Spieler in den Drafts [Anm.: Im NHL-Draft 2012 68 von 211] gezogen oder nach Abschluss ihrer vier College-Spielzeiten von NHL- oder AHL-Teams als Free-Agents verpflichtet.

TFB: Ein Tag im Leben des Patrick Divjak…

Divjak: …ist meistens sehr stressig. Neben dem täglichen Eistraining um 14h stehen montags und dienstags „Workouts“ im Kraftraum um 7 Uhr früh am Programm. Die Vorlesungszeiten werden diesem Trainingsplan angepasst. Da bleibt nicht viel Zeit zur Vorbereitung und eventuellen Hausübungen. Hinzu kommen natürlich noch Spiele.

TFB: Sie sind nicht der erste Österreicher, der den Wechsel von den Wiener Eislöwen zu Sioux Falls Stampede vollzogen hat.

Stimmt. Zu meinem Engagement bei Sioux Falls hat mir im Sommer 2007 Andreas Nödl, der auch zwei Saisonen dort gespielt hat, verholfen. Auf seine Empfehlung hin wurde ich im Sommer zum Try-out nach Sioux Falls eingeladen, das ich letztendlich dann auch bestanden habe.

TFB: Nach zwei recht erfolgreichen Spielzeiten in Sioux Falls kam dann der Wechsel innerhalb der USHL (United States Hockey League, wichtigste US-Junioren-Liga) nach Waterloo zu den Blackhawks.

Divjak: Im Sommer 2009 wurde ich im Rahmen eines Trades nach Waterloo transferiert. Im Nachhinein gesehen ein Glückfall für mich. Ich kam in eine sehr starke Mannschaft von der aus es mir auch möglich war, mich für ein Sport-Stipendium zu empfehlen, das mir dann auch von der Niagara University angeboten wurde.

TFB: Ebendiese Niagara University ist eine der Top-Adressen im College-Hockey. Seit der Saison 1999-2000 konnten die „Purple Eagles“ drei Mal den NCAA-Titel holen. Welche Ziele haben Sie mit Ihrem Team?

Divjak: Ich würde sagen, dass wir heuer einen sehr starken Kader haben. In der Vorsaison sind wir leider sehr unglücklich in der Overtime im Division-Halbfinale gescheitert. Nachdem unsere Mannschaft mit der letztjährigen nahezu ident ist, kann es in dieser Saison nur unser Ziel sein, unsere Atlantic Hockey Division zu gewinnen und danach im NCAA-Tournament so weit wie möglich zu kommen. Dort ist dann ohnehin sehr viel möglich.

TFB: Sie haben bereits vom NHL-Draft gesprochen. Was denken Sie, warum Sie im Draft nicht berücksichtigt wurden?

Leider macht die Größe im Eishockey doch recht viel aus. Ich bin mit 1,75 nicht wirklich großgewachsen. Ich denke, dass das der Hauptgrund gewesen sein dürfte.

TFB: Wie würden Sie sich selbst am und abseits des Eises charakterisieren?

Divjak: Ich sehe mich selbst als Spielmacher, der das Spiel gestaltet und am Eis eher ein ruhiger und besonnener Charakter ist. Das bin ich auch im Privatleben. Auch dort sind meine Mitspieler in weiterer Folge auch meine engsten Freunde.

TFB: Stichwort Freunde. Stehen Sie auch mit Peter Schneider [Anm.: Ebenfalls NCAA, University of Notre Dame] und anderen, in Nordamerika spielenden Österreichern, in Verbindung?

Divjak: Ja. Mit Peter Schneider stehe ich aber nur außerhalb der Eisfläche in Kontakt, da wir in der Liga leider nicht gegeneinander spielen. Vielleicht werden wir uns aber beim NCAA-Tournament gegenüber stehen. Ansonsten spreche ich auch des Öfteren mit Andreas Nödl. Ich versuche seine Spiele zu sehen, wenn er in Buffalo [Anm.: 40km Entfernung zwischen Niagara Falls und Buffalo] spielt.

TFB: Ihre College-Karriere geht mit der Saison 2013/2014 zu Ende. Gibt es bereits Pläne für eine Karriere danach?

Divjak: Ja, die gibt es. Ich möchte jedenfalls weiterhin in Nordamerika bleiben und versuchen, mich hier als Profi zu etablieren. In welcher Liga das dann letztendlich sein wird, kann ich jetzt noch nicht sagen. Natürlich wäre auch ein Wechsel nach Europa möglich, Priorität hat aber Nordamerika.

TFB: Wie ist es um Ihre Verbindungen nach Österreich bestellt bzw. verfolgen Sie die Erste Bank Eishockey Liga?

Divjak: Den Sommer verbringe ich hauptsächlich bei meinen Eltern in Wien. Ich genieße diese Zeit, weil während der Saison bzw. während des Semesters keine Zeit für Heimaturlaube bleibt. Ich verfolge die Geschehnisse in der EBEL wann immer es mir möglich ist. Die Live-Streams sind da eine sehr gute Möglichkeit, am Laufenden zu bleiben. Spezielles Augenmerk lege ich natürlich auf die Entwicklung meiner ehemaligen Teamkollegen aus Wien oder auch aus den Nachwuchsnationalteams.

 

ZUR PERSON

Patrick Divjak (23) begann seine Eishockeykarriere im Nachwuchsbereich der Wiener Eislöwen (WEV) ehe er 2007 in die United States Hockey League in die USA wechselte. Nach drei Jahren in der USHL und 14 U18- bzw. U20-WM-Teameinsätzen (9 Punkte) sowie einer Gold- bzw. Silbermedaille für Österreich befindet sich der Wiener nun im dritten von vier College-Hockey-Jahren.